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aus "Russische Jägerzeitung" 14.05.1997

 

Galina Wiktorowna Zotova ist eine sowohl in Rußland als auch international bekannte Barsoikennerin. Eine Mitarbeiterin der Redaktion der „Russischen Jägerzeitung", Maria Muromzewa, hat mit ihr das nachfolgende Informationsgespräch geführt:

Frau Wiktorowna, es ist allgemein bekannt, daß es allein in Moskau 500 Hundevereine gibt und daß die sog. Teilung von verschiedenen Rassen beträchtlich ist. Betrifft diese Situation auch die russischen Windhunde?
Der bedeutendste Teil der Barsoizucht wird durch den Moskauer Jägerverein vertreten. Auch in Petersburg gibt es sehr viele Vereine. Diese züchten nach eigenen Vorstellungen. Sie prüfen die Hunde auf ihre Eigenschaften hin im Jagdfeld. Leider laden sie dazu keine Fachleute von außerhalb ein. Das betrifft auch andere Rassen. Bei Clubausstellungen werden die Hunde hauptsächlich von Clubexperten bewertet. Mit der Gründung des nationalen Clubs wurde es unsere Aufgabe, die traditionellen Ausstellungen durch die Einladung anderer Vereine, Züchter und Barsoiliebhaber zu bereichern. Doch diese Aufgabe erweist sich als sehr schwierig, da Russland sehr groß ist und die Organisation solch umfangreicher Ausstellungen erhebliche zeitliche und finanzielle Probleme bereitet. Wir planen solche Treffen, doch leider hängt der Erfolg nicht nur von uns ab.

Wie würden Sie heute die Qualität der Windhunde beschreiben?
Ich meine, vor allem durch das Ausstellungswesen ist die Qualität recht stabil geworden. Es gibt kaum Hunde mit schwerwiegenden Fehlern. Die Situation möchte ich deshalb als „sehr gut" bezeichnen.

Wo liegen die Probleme?
Ich denke beispielsweise an die Gelenke der Barsois. Man kann dies zwar noch nicht als echtes Problem bezeichnen, doch kommen unerwünschte Veränderungen vor. Dazu muß man sagen, daß die Vereine mit ihrer Zucht viel zu isoliert sind. Es kommt kein neues Blut in die Zucht. Dies könnte die Rasse sehr gefährden. Auch sind nicht alle Barsoibesitzer bereit, den Rat von Zuchtexperten anzunehmen.

Was ist Ihre Meinung zur Qualität der westlichen und russischen Windhunde im Vergleich?
Die westlichen Barsois haben eine sehr große Schulterhöhe und sind dicht behaart. Im Westen wird der Barsoi eben mehr als dekorativer Hund angesehen. Dabei wird mehr auf das exotische Aussehen der Hunde und weniger auf die richtige Form und physische Fähigkeit (Leistung) geachtet.

Welche negativen Eigenschaften sind aus der Sicht des russischen Standards beim Barsoi westlicher Zucht zu erkennen?
Amerikanische Hunde sind vorn deutlich höher, was dem Barsoi gar nicht entspricht. Im Westen gibt es sehr gute Exemplare. Es gibt dort Züchter, die sich durch die richtige Einstellung zur Rasse und durch Beachtung der Qualität verdient gemacht haben. Allerdings trifft man häufig Hunde mit viel zu steiler Hinterhand und zu hellen Augen an. Von unseren Hunden unterscheiden sie sich optisch durch die längere Behaarung. Im Westen gehört diese zum Standard. So empfinden westliche Züchter unsere Hunde oft als „wenig behaart".

Sind die Unterschiede, über die Sie sprechen, in Rußland und im Westen im jeweiligen Standard festgelegt?
Leider gibt es im Westen für das Fell keinen spezifischen Standard. Dort wird nur auf die Qualität geachtet. Über die Länge der Haare wird nichts gesagt. Bei uns wird das sehr genau definiert. Der Barsoi hat ein charakteristisches Fell: große Locken auf dem Rücken, langes und dichtes Haar auf der Brust und auf dem Rücken. Die Flanken haben dagegen sehr kurzes Haar. Der westliche Barsoi weist oft die gleiche Länge der Haare auf der Brust, dem Rücken und auf den Flanken auf. Das mag schön aussehen, entspricht aber nicht dem russischen Barsoi.

Frau Wiktorowna, manche unserer Züchter legen trotzdem den westlichen Standard (manchmal auch den FCI-Standard) zugrunde, obwohl beim Barsoi Geschwindigkeit und Jagdverhalten im Vordergrund stehen sollten.
Ich denke, das geschieht, weil westliche Richter, die nach Rußland kommen, die Hunde nach ihrem Standard beurteilen. Dabei bewerten sie die Hunde oft zu gut. In der Regel kommen zu solchen Ausstellungen Hunde, die nicht für die Jagd, sondern für „das Auge" gezüchtet wurden. Den westlichen Richtern gefallen solche Barsois, insbesondere solche mit viel Fell.

Heißt das, daß der Barsoi, die Rasse „Nummer eins" in Rußland, oft von westlichen Richtern beurteilt wird?
Das ist so, weil dies bei FCI-Ausstellungen so vorgesehen ist. Und wenn ein Richter berechtigt ist, alle Rassen zu bewerten (bei der FCI über 350), dann ist der Barsoi darin eingeschlossen. Der Richter selbst hat möglicherweise eine andere Rasse zu Hause, die ihn mehr interessiert. Meiner Meinung nach ist dies ein großes Minus für den Windhund, weil ein Allgemeinrichter die Besonderheiten der Form des Barsois vielleicht überhaupt nicht kennt. Es kann sein, daß diese für ihn auch uninteressant sind.

Sie sind die erste Expertin in Rußland, die den Barsoi schon seit langem und überall in der Welt bewertet. Sie waren in Nord-Amerika und in vielen europäischen Ländern. Sind Sie internationale Richterin?
Nein, aber das hängt nicht von mir ab. Deswegen richte ich auch nicht auf FCI-Ausstellungen.

Frau Wiktorowna, es sieht so aus, als ob unser ursprünglicher Jagdhund jetzt in zwei Kategorien geteilt ist: Jagd- und Schauhund.
Ja, es sieht wirklich so aus. Wir hoffen, daß die Gründung des nationalen Clubs in dieser Hinsicht Positives bewirken wird, da der Club nicht nur Jägervereine, sondern auch Liebhabervereine mit einbezieht. Die Mitglieder dieser Vereine nehmen heute oft mit grossem Erfolg an Jagdveranstaltungen teil. Die Hunde haben einen genetisch verankerten Jagdinstinkt. Obwohl man den Barsoi vor einiger Zeit zum „Sofahund" gemacht hat, und er das ziemlich lange geblieben ist, verfügt er immer noch über einen ausgeprägten Jagdinstinkt.

Welche Veranstaltungen plant der nationale Club?
Für den Herbst planen wir erste Wettkämpfe. Experten haben sich bereiterklärt, unentgeltlich zu bewerten.

Plant der Club auch Ausstellungen?
Ja, Anfang September. Auch hier werden die Richter unentgeltlich richten. Allerdings wird es für manche Barsoibesitzer problematisch sein, an der Ausstellung teilzunehmen, insbesondere nach der „allrussischen Ausstellung" in diesem Sommer.

Wie können die charakteristischen Eigenschaften des Barsois definiert werden? Gibt es viele Barsois mit Diplom?
Es gibt sehr viele Barsois mit Diplom. Der Begriff „Arbeitshund" ist sehr relativ. Es nehmen längst nicht alle an Jagdveranstaltungen teil. Aber viele machen bei Feldtests mit. Von solchen gibt es mehr als von den nur dekorativen Barsois.

Barsois werden heute bei der Jagd mit Hasen und Füchsen getestet. Wie sieht es mit der Jagd auf den Wolf aus?
Die Jagd auf den Wolf hat man bei uns kaum praktiziert. Das, was in der Gegend von Lipetzk gemacht wurde, ist schon sehr lange her. Für eine solche Jagd ist es wichtig, daß der Wolf völlig isoliert von den Hunden gehalten wird und nicht nach Menschen bzw. überhaupt nach Zivilisation riecht. Auch muß man mehrere erfahrene Hunde in Reserve haben für den Fall, daß die jungen Hunde Mißerfolge haben. Auch früher hat noch lange nicht jeder Barsoi einen Wolf geschafft. Man hat Hunde besonders für diesen Zweck ausgewählt und entsprechend ausgebildet. Mit diesen Hunden wurde keine Jagd auf Niederwild durchgeführt. Aber wir jagen keine Wölfe.

Könnte man heute die früher vorhandene Aggressivität der Hunde wieder herstellen? Wurden die ausgewählten Hunde nach diesen Parametern bestimmt?
Das wäre möglich. Es müßten nur Fachleute gefunden werden, die die entsprechende Ausbildung übernehmen. Man muß aber mit jungen Hunden anfangen, weil sich bei älteren Hunden der Agressivitätsinstinkt schon gefestigt hat.

Kennen Sie persönlich einen Windhund, der einen Wolf gefaßt hat?
Letztes Jahr haben vier Barsois aus Moskauer Zucht einen jungen Wolf besiegt. Das geschah abends. Die Hunde liefen plötzlich weg. Die Besitzer sahen, daß die Hunde kämpften und dachten dabei, daß die Barsois einen Hund angegriffen hatten. Es war aber ein Wolf. Einer der Hunde hielt ihn am Hinterbein fest. Ein anderer versuchte, den Wolf in den Hals zu beißen. Diese Barsois könnten gute Wolfsjäger werden.

Frau Wiktorowna, wie unterscheidet sich die Jagd auf Füchse von anderen Jagden?
Während der Jagd versucht der Fuchs, den Hund zu beißen. Der Fuchs läuft weg und wenn die Hunde ihn einholen, dreht er sich um und beißt einen der Hunde in die Schnauze. Wenn der Hund ängstlich ist, wird der Fuchs sein Leben retten können. Wir haben junge Barsois, die einen Fuchs mit einem Biß töteten. Vor vielen Jahren haben sich allerdings unsere Hunde einem Fuchs noch nicht einmal genähert. Heute ist ein Fuchs kein Problem. Obwohl ein Barsoi bereits für die Verfolgung eines Hasen schon ein Diplom bekommen kann, muß ein Fuchs überwältigt werden. Für einen entkommenen Fuchs gibt es kein Diplom.

Erzählen Sie bitte etwas über die Jagd auf künstliche Hasen auf Rennplätzen.
So etwas würde ich als „Show" bezeichnen. Das ist etwas für die Zuschauer. Barsois, die bei einer richtigen Jagd bereits einen Hasen im Fang gehalten haben, weigern sich zumeist, bei einem künstlichen Hetzobjekt überhaupt zu laufen.

Gibt es in Rußland Regeln für die Jagd auf künstliche Hetzobjekte?
Solche allgemeinen Regeln gibt es in Rußland nicht. Die Clubs, die solche Veranstaltungen durchführen, haben jetzt die Aufgabe, diese Regeln zu entwickeln.

Wie wird auf internationalen Ausstellungen der russische Standard (bei Berücksichtigung des Vertrags mit der FCI) beachtet?
Die Mitgliedstaaten der FCI richten sich nach einem internationalen Standard. Staaten, die nicht FCI-Mitglieder sind (z.B. Australien, USA, England usw.) haben ihren eigenen Standard. Mit dem russischen nationalen Club wollen wir der RKF (die FCI in Russland) den Standard für den Barsoi vorlegen, damit dieser an die FCI weitergegeben wird. Der Standard von Jermolov hat sich bis heute nur geringfügig geändert. Er ist etwas detailliert und ergänzt worden, im allgemeinen aber unverändert geblieben.

Wann wird dieser zum internationalen Standard?
Ich denke, wenn wir Mitglied im FCI werden. Wohl frühestens in vier Jahren nach der Vertragsunterzeichnung.

Was halten die ausländischen Barsoibesitzer davon?
Viele meinen, daß der Standard für den Barsoi aus dessen Heimat stammen soll, nämlich aus Rußland. Unsere Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, daß ausländische Barsoibesitzer die richtigen Kenntnisse über die Eigenschaften des russischen Barsois erhalten. Barsois haben z.B. mehrere Kopfformen, die dem Standard entsprechen. Im Westen gibt es eine Kopfform, die dem russischen Barsoi nicht entspricht. Im Profil sieht man, daß der Schädel zu hoch ist. Außerdem muß auf die Beine hingewiesen werden. Bei einem Seminar in Frankreich sprach ich mit vielen Barsoibesitzern. Die meisten von ihnen wünschten sich als internationalen Standard denjenigen von Rußland. Viele von ihnen haben sich auch für die Jagd interessiert und wollten gern einmal dabei sein.

Frau Wiktorowna, Sie sind meines Wissens die einzige Expertin in Rußland, die sich auch im Ausland für die Barsois einsetzt. Wie wird es Ihres Erachtens mit der Entwicklung der Rasse im Ausland weitergehen?
Dort wird man mit unserem Barsoi wohl niemals auf die Jagd gehen, obwohl dieser Hund ausschließlich ein Jagdhund ist. Dort gibt es keine Jagden mit Hunden auf lebendes Wild - mit Ausnahme von Spanien, einigen nordamerikanischen Ländern und ein paar Gebieten in Kanada. Spanien hat selbst einen Windhund, den Galgo. Ich denke, es wird die Zeit kommen, wo Barsoibesitzer aus dem Ausland ihre Hunde in Rußland im Jagdfeld testen werden. Heute ist das überwiegend Finnland. Es ist nah, und die Menschen dort sind einfacher. In diesem Jahr kamen die Finnen nach Petersburg, aber zu diesem Zeitpunkt gab es wenig Wild in den Feldern.

Demnach konkurrieren die westlichen Barsois im Grunde mit unseren Hunden.
Natürlich. Die mitgebrachten Barsois aus dem Westen – und das waren viele – haben sich sehr gut im Feld qualifiziert und deren Nachkommen auch.

Könnte behauptet werden, daß es überall in der Welt im Grunde wohl einen einheitlichen Barsoityp mit kleinen Unterschieden gibt, den man jedoch auf einen Nenner bringen könnte?
Nach meiner Meinung wäre das durchaus möglich. Wenn die Menschen wirklich daran interessiert sind, könnten viele Probleme überwunden werden.

Werden wir die Möglichkeit haben, auf den nationalen Standard für den Barsoi Einfluß zu nehmen?
Natürlich. Wir haben vor, so viele Experten wie möglich zu Rate zu ziehen und den Standard regional bekanntzugeben. Im übrigen arbeiten an diesem Standard sehr viele Regionen zusammen. Dazu gehören auch Experten aus der Ukraine, Weißrußland und weit entfernten russischen Regionen. Die Daten wurden gesammelt und aufgrund dieser ein Standard erarbeitet.

Der „Jermolov-Standard" wurde in Zusammenarbeit mit Züchtern in einer charakteristischen Terminologie geschrieben. Mit anderen Worten, es wurden spezielle Ausdrücke benutzt. Würden diese auch in einem neuen Standard beibehalten?
Leider gerät diese „Sprache" allmählich in Vergessenheit. Viele Experten, vor allem in weit entfernten Regionen, kennen diese speziellen Ausdrücke nicht. Der Standard wird jedoch für alle geschrieben.

Wie geht man dann bei einer Übersetzung, z.B. ins Englische, vor?
Nicht alle Ausdrücke aus dem Russischen können übersetzt werden. So kann z.B. das Wort „prawilo" gar nicht übersetzt werden. Das verstehen auch viele ausländische Kollegen nicht.

Welche Probleme gibt es bei der Feldbewertung?
Leider gibt es viele Feldbewertungen mit nur einem Richter. Er hat es dann sehr schwer, schließlich kann er nicht überall Augen haben, um zu sehen, wo das Tier hinläuft. Deswegen gibt es immer wieder Beschwerden wegen ungerechter Bewertungen. Manchmal vergibt ein Richter extra höhere Punktzahlen, um wieder eingeladen zu werden. Dies ist ein allgemeines Problem bei uns in Rußland.

Übersetzt von I. und E. Rostov, Lindenfels (Deutschland).

Eingesandt von V. Stettler, Muttenz (Schweiz).

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